Ich lese im Alltag fast keine Bücher mehr. Job, Haushalt, Kinder. Abends fehlt die Konzentration für langes Lesen. Bei diesem Thriller bin ich eher zufällig gelandet. Die ersten Seiten: fordernd, fast verwirrend. Viele Welten gleichzeitig: Leute an Bildschirmen, die Daten prüfen, staubige Feldwege, ein undurchsichtiges Behördengeflecht, wo jeder gegen jeden zu arbeiten scheint. Zweimal dachte ich: Moment, wer verfolgt hier wen und warum?
Aber genau diese Verunsicherung weckt meine Neugier. Keine vorgekauten Klischees. Das Lesen verlangt, den Kopf einzuschalten. Als sich die Stränge langsam annäherten, hat mich die Geschichte überrollt. Besonders die Beamtin: gewissenhaft ihren Job machen, merken, dass das Umfeld mauert und wegschaut; das ging mir unter die Haut.
Der eigentliche Punkt, weil ich von der Geschichte schwärmte: Mein Mann liest noch weniger als ich. Er hat sich das Buch am letzten Wochenende geschnappt, und es in einem Stück durchgelesen. Das hat er seit Jahren nicht mehr gemacht. Begeistert von der Dynamik, von der Detailtiefe.
Seitdem diskutieren wir beim Abendessen wieder und anders über die Nachrichten. Wenn im Fernsehen glatte Erklärungen geliefert werden, schauen wir uns an: Was muss gerade ins Bild passen? Was wird weggelassen?
Dass ein Buch uns beide so aufgewühlt und zum Nachdenken gebracht hat, hatten wir lange nicht. Band 2 ist fest eingeplant.
Absolute Empfehlung, gerade für Leute, die sonst selten zum Buch greifen.